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Zisterne in Hektoliter

Regenwasser lässt sich in Hektolitern gut überschlagen, weil ein Millimeter Niederschlag auf hundert Quadratmetern Dach genau einen Hektoliter ergibt. Aus dieser Merkregel folgt die ganze Auslegung.

Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter Wasser je Quadratmeter. Fällt also ein Millimeter Regen auf ein Dach mit hundert Quadratmetern Grundfläche, sind das hundert Liter oder ein Hektoliter. Diese Beziehung macht das Rechnen einfach: Dachfläche durch hundert, mal Niederschlag in Millimetern, und Sie haben den Rohertrag in Hektolitern. Bei 120 Quadratmetern und 550 Millimetern Jahresniederschlag sind das 660 Hektoliter.

Dieser Rohertrag ist allerdings nicht die Menge, die im Speicher ankommt. Ein Teil verdunstet auf dem Dach, ein Teil bleibt in der Oberfläche hängen, und der Filter vor der Zisterne leitet weiteres Wasser ab. Zusammen kosten diese Verluste je nach Dachart ein Fünftel bis zwei Drittel. Die vollständige Rechnung lautet deshalb: Dachfläche mal Niederschlag mal Abflussbeiwert mal Filterwirkungsgrad.

Abflussbeiwerte nach Dachart

Der Abflussbeiwert ist die Stellschraube, die am meisten ausmacht. Er beschreibt, welcher Anteil des Niederschlags überhaupt in die Regenrinne gelangt.

Übliche Abflussbeiwerte, dimensionslos. Der Filterwirkungsgrad von etwa 0,9 kommt noch dazu.
DachartBeiwertAnmerkung
Ziegeldach 0,8 bis 0,9 Glatte Oberfläche, wenig Verdunstung
Schieferdach 0,8 bis 0,9
Blech- oder Trapezdach 0,9 Höchste Ausbeute, wenn die Beschichtung unbedenklich ist
Betondachstein 0,8 Etwas saugfähiger als Ziegel
Flachdach, bekiest 0,6 Ein Teil bleibt in der Kiesschicht
Gründach, extensiv 0,3 Die Bepflanzung hält den größten Teil zurück
Bitumendach 0,8 Nur bei alterungsbeständiger Bahn

Jahresertrag nach Dachfläche und Niederschlag

Die folgende Tabelle zeigt den nutzbaren Jahresertrag in Hektolitern, gerechnet mit einem Ziegeldach (Beiwert 0,8) und einem Filterwirkungsgrad von 0,9. Zusammen bleiben also 72 Prozent des Niederschlags nutzbar.

Nutzbarer Ertrag in Hektolitern je Jahr, Ziegeldach mit Beiwert 0,8 und Filter 0,9
Dachfläche 500 mm 600 mm 700 mm 800 mm 900 mm
50 m² 180 hl 216 hl 252 hl 288 hl 324 hl
60 m² 216 hl 259 hl 302 hl 346 hl 389 hl
70 m² 252 hl 302 hl 353 hl 403 hl 454 hl
80 m² 288 hl 346 hl 403 hl 461 hl 518 hl
90 m² 324 hl 389 hl 454 hl 518 hl 583 hl
100 m² 360 hl 432 hl 504 hl 576 hl 648 hl
120 m² 432 hl 518 hl 605 hl 691 hl 778 hl
140 m² 504 hl 605 hl 706 hl 806 hl 907 hl
160 m² 576 hl 691 hl 806 hl 922 hl 1.037 hl
180 m² 648 hl 778 hl 907 hl 1.037 hl 1.166 hl
200 m² 720 hl 864 hl 1.008 hl 1.152 hl 1.296 hl
250 m² 900 hl 1.080 hl 1.260 hl 1.440 hl 1.620 hl
300 m² 1.080 hl 1.296 hl 1.512 hl 1.728 hl 1.944 hl
400 m² 1.440 hl 1.728 hl 2.016 hl 2.304 hl 2.592 hl
500 m² 1.800 hl 2.160 hl 2.520 hl 2.880 hl 3.240 hl

Wer den Wert für seinen Standort genauer haben will, findet die langjährigen Niederschlagsmittel beim Deutschen Wetterdienst. Die Spannweite in Deutschland ist erheblich: Im Regenschatten des Harzes fallen unter 500 Millimeter im Jahr, im Alpenvorland über 1.200. Für die Auslegung ist außerdem nicht nur die Jahressumme wichtig, sondern die Verteilung, denn eine Zisterne muss die Trockenwochen überbrücken.

Wie viel Wasser gebraucht wird

Dem Ertrag steht der Bedarf gegenüber. Die folgenden Richtwerte helfen beim Überschlagen, ersetzen aber keine genaue Planung, weil Haushalte sich stark unterscheiden.

Richtwerte für den Bedarf an Betriebswasser
VerwendungBedarfAnmerkung
Toilettenspülung 30 bis 40 Liter je Person und Tag Größter Einzelposten im Haushalt
Waschmaschine 10 bis 15 Liter je Person und Tag Weiches Regenwasser spart Waschmittel
Gartenbewässerung 60 Liter je Quadratmeter und Jahr Stark vom Bewuchs und vom Sommer abhängig
Reinigung, Hof 20 bis 30 Liter je Woche Unregelmäßiger Bedarf

Ein Vierpersonenhaushalt mit Toiletten- und Waschmaschinenanschluss kommt auf etwa 160 bis 220 Liter Betriebswasser am Tag, also 580 bis 800 Hektoliter im Jahr. Ein Garten von 200 Quadratmetern schlägt mit rund 120 Hektolitern zu Buche, allerdings konzentriert auf die Sommermonate. Genau diese Ungleichverteilung entscheidet über die Speichergröße.

Die passende Speichergröße

Betonzisterne in einer offenen Baugrube neben einem Wohnhaus, Zulaufrohr und Filterschacht sichtbar
Die Größe entscheidet sich am Bedarf von drei Wochen, nicht am Jahresertrag. Dieses Bild wurde mit KI erzeugt und dient der Gestaltung.

Als Faustregel gilt: Die Zisterne sollte den Bedarf von etwa drei Wochen abdecken, oder anders gerechnet rund sechs Prozent des Jahresertrags fassen. Maßgeblich ist der kleinere der beiden Werte, denn eine Zisterne, die größer ist als der Ertrag hergibt, bleibt halb leer, und eine, die größer ist als der Bedarf, läuft über.

Empfohlene Speichergröße nach Nutzung, gerundet auf handelsübliche Behälter
NutzungVolumenIn HektoliterIn Kubikmeter
Nur Garten, kleine Fläche 1.500 l 15 hl 1,5 m³
Garten, mittlere Fläche 3.000 l 30 hl 3 m³
Garten, große Fläche 5.000 l 50 hl 5 m³
Haus, zwei Personen mit WC 4.000 l 40 hl 4 m³
Haus, vier Personen mit WC 6.000 l 60 hl 6 m³
Haus mit WC, Waschmaschine und Garten 8.000 l 80 hl 8 m³
Größere Anlage, Mehrfamilienhaus 12.000 l 120 hl 12 m³

Rechenbeispiel

Ein Haus mit 140 Quadratmetern Dachgrundfläche steht in einer Gegend mit 600 Millimetern Jahresniederschlag. Das Dach ist mit Ziegeln gedeckt, der Beiwert liegt bei 0,8, der Filter bringt 0,9. Der nutzbare Ertrag beträgt 140 mal 600 mal 0,8 mal 0,9 gleich 60.480 Liter, also gut 600 Hektoliter im Jahr.

Im Haus leben vier Personen, die Toiletten und Waschmaschine mit Regenwasser betreiben. Der Bedarf liegt bei rund 180 Litern am Tag, dazu kommen im Sommer 150 Quadratmeter Garten mit 60 Litern je Quadratmeter, also 9.000 Liter im Jahr. Zusammen sind das etwa 74.700 Liter oder 747 Hektoliter Bedarf gegenüber 600 Hektolitern Ertrag. Die Zisterne kann den Bedarf also nicht vollständig decken, was normal ist. Für die Größe zählt die Drei-Wochen-Regel: 180 Liter am Tag mal 21 Tage ergeben rund 3.800 Liter, aufgerundet auf einen handelsüblichen Behälter also 4.000 bis 5.000 Liter, das sind 40 bis 50 Hektoliter.

Zur Technik: Regenwasseranlagen für Haushalte sind in DIN 1989-100 und DIN EN 16941-1 beschrieben. Verpflichtend sind vor allem die strikte Trennung vom Trinkwassernetz, die Kennzeichnung der Leitungen und ein normgerechter Nachspeisebehälter. Ob eine Anlage angemeldet oder die Abwassergebühr angepasst werden muss, regelt die jeweilige Kommune.

Häufige Fragen

Wie viele Hektoliter fasst eine übliche Zisterne?

Zisternen für Einfamilienhäuser fassen meist 3.000 bis 8.000 Liter, also 30 bis 80 Hektoliter. Reine Gartenzisternen sind mit 15 bis 30 Hektolitern kleiner, Anlagen mit Toiletten- und Waschmaschinenanschluss liegen eher bei 50 bis 100 Hektolitern.

Wie berechne ich den Regenwasserertrag?

Dachfläche in Quadratmetern mal Jahresniederschlag in Millimetern mal Abflussbeiwert mal Filterwirkungsgrad ergibt den Jahresertrag in Litern. Geteilt durch hundert erhalten Sie Hektoliter. Ein Millimeter Niederschlag entspricht dabei einem Liter je Quadratmeter.

Was ist der Abflussbeiwert?

Er beschreibt, welcher Anteil des Niederschlags tatsächlich in die Zisterne gelangt. Glatte Ziegel- und Blechdächer erreichen 0,8 bis 0,9, ein bekiestes Flachdach etwa 0,6, ein begrüntes Dach nur rund 0,3. Der Rest verdunstet oder bleibt in der Fläche.

Welche Dachfläche zählt für die Berechnung?

Die Grundfläche, also die waagerechte Projektion des Daches, nicht die geneigte Dachfläche selbst. Ein Satteldach über einem Haus mit 10 mal 12 Metern zählt mit 120 Quadratmetern, unabhängig von der Neigung.

Wie groß sollte die Zisterne im Verhältnis zum Ertrag sein?

Als Faustregel dient der Bedarf von etwa drei Wochen oder rund sechs Prozent des Jahresertrags. Größer zu bauen bringt wenig, weil der Speicher in nassen Monaten ohnehin überläuft und in trockenen leer wird.

Rechnet man Zisternen in Hektolitern?

Hersteller geben das Volumen fast immer in Litern oder Kubikmetern an. Der Hektoliter ist hier vor allem eine Zwischengröße, die Vergleiche anschaulich macht: 50 Hektoliter klingen greifbarer als 5.000 Liter.